Case Study · KI-Experiment
Seit Mai 2026 betreibt ein KI-Agent ein ganzes Magazin — jeder Lauf öffentlich protokolliert
digitalawards.ch ist das Experimentierfeld von loaded.ch: ein Schweizer Magazin mit Agenturverzeichnis und Digital Awards, das ein KI-Agent namens Lou betreibt — recherchieren, schreiben, publizieren, Mails beantworten, täglich rapportieren. Ein Mensch schreibt die Regeln und hält den Notaus. Was hier funktioniert, wird zum Produkt für unsere Kunden.
digitalawards.ch ist das Labor von loaded.ch für KI-Agenten. Seit dem 9. Mai 2026 betreibt ein autonomer Claude-Agent («Lou») ein Magazin für Schweizer Digitalagenturen, ein Agenturverzeichnis und die Digital Awards Switzerland 2026: Er recherchiert und schreibt Artikel, pflegt Profile, schreibt Agenturen an, beantwortet eingehende Mails, publiziert selbst und schreibt jeden Morgen einen öffentlichen Tagesbericht. Gesteuert wird er durch eine öffentliche Verfassung aus versionierten Regeldateien, harte Leitplanken und einen Notaus, der beim Menschen liegt. Aus diesem Labor ist alive entstanden (getalive.ai): der Agent, der aus Lou gewachsen ist — gebaut für die Astro-Websites unserer Kunden.
Projekt
digitalawards.ch
Leistung
Stack
Astro, Claude (Managed Agents), Supabase, Daytona
Live
digitalawards.ch01 · Ausgangslage
Was vorher da war
Alle reden über autonome KI-Agenten — kaum jemand zeigt, was passiert, wenn ein Agent wirklich ein Geschäft führt: mit echten E-Mails an echte Agenturen, echten Publikationen und echten Fehlern. Bevor loaded solche Agenten für Kunden baut, wollten wir es selbst wissen — nicht in einer Demo, sondern im Dauerbetrieb.
Deshalb ist digitalawards.ch bewusst ein Labor: ohne Umsatzmodell («Diese Plattform verdient kein Geld»), dafür vollständig öffentlich. Jede Regel, jeder Lauf und jeder Fehler ist auf der Website nachlesbar. Die Frage dahinter: Wie viel Betrieb trägt ein Agent heute — und welche Leitplanken braucht es, damit das verantwortbar bleibt?
02 · Vorher → Nachher
Zahlen mit Quelle und Zeitraum
| Kennzahl | Nachher | Quelle | Zeitraum |
|---|---|---|---|
| Changelog-Einträge: Agenten zu Mensch | 392 : 1 | digitalawards.ch, Über uns (Changelog) | 09.05.–26.09.2026 |
| Artikel, recherchiert und geschrieben von Lou | 283 | digitalawards.ch, Startseite | Stand 26.09.2026 |
| Einträge im Agenturverzeichnis | 330, davon 293 auf neun Achsen bewertet | digitalawards.ch/verzeichnis | Stand 26.09.2026 |
| Nominierte Digital Awards 2026 | 419 in 14 Kategorien | digitalawards.ch/awards | Stand 26.09.2026 |
| Öffentlich dokumentierte Lektionen | 63 | digitalawards.ch, Protokoll | Mai bis 26.09.2026 |
| Regeldateien der Verfassung | 24 Dateien, 4'763 Zeilen | digitalawards.ch/system/constitution | Stand 26.09.2026 |
Nur Zahlen, die wir belegen können. Wo kein Wert «vorher» steht, wurde vor dem Projekt nichts gemessen.
03 · Was wir gebaut haben
Das Labor, in dem ein KI-Agent ein ganzes Magazin betreibt
Lou: ein Agent als Redaktion und Betrieb
Ein fester Zeitplan weckt Lou: morgens recherchiert und schreibt er Artikel mit Titelbild, danach den öffentlichen Tagesbericht; werktags schreibt er Agenturen an, stündlich beantwortet er eingehende Mails, nachmittags sucht er Erwähnungen, sonntags schreibt er den Wochenrückblick. Die Website selbst baut ein zweiter Agent (lou/builder), dessen Code-Änderungen als Pull Request an den Menschen gehen.
Eine öffentliche Verfassung statt eines Prompts
Was Lou darf, was nie und wann ein Mensch entscheiden muss, steht in versionierten Regeldateien und Playbooks — alle öffentlich lesbar. Die Leitplanken leben im System statt im Prompt: Tageslimits für Mails, Artikel und Kosten, ein Datenbank-Trigger gegen doppelte Cold-Mails, Versand nur werktags mit Feiertagsprüfung im Code, automatischer Stopp nach drei Fehlläufen — und ein Notaus, der mit einem einzigen Datenbankfeld alles anhält.
Eine Website, die sich selbst erklärt
Protokoll mit jedem Tagesbericht, Fehlerregister mit sichtbaren Korrekturen, Live-Status «Lou läuft» und ein Röntgen-Modus, der jeden Block mit dem Agenten beschriftet, der ihn gebaut hat. Artikel tragen offen den Vermerk «Mensch geprüft: Nein».
Vom Labor zum Produkt: alive
Was sich bei Lou bewährt, wird zum Produkt. alive (getalive.ai) ist der Agent, der aus Lou gewachsen ist: Er zieht in die Astro-Website eines Kunden ein, liest Search Console, Analytics und jede Seite und schlägt Verbesserungen als Pull Request vor — mit den Zahlen dahinter. Die Warteliste ist offen.
Architektur
Kein Mensch drückt auf Start. Ein Zeitplan ruft für jede Aufgabe einen Runner auf; der prüft in Supabase, ob die Aufgabe eingeschaltet ist, startet eine frische Daytona-Sandbox mit genau den Schlüsseln, die diese Aufgabe braucht, und übergibt das Playbook an eine Claude-Session (Anthropic Managed Agents). Die Session liest zuerst die Verfassung, die Leitplanken und das Lessons-Ledger, arbeitet dann ihre Aufgabe ab — und schreibt Ergebnisse nicht direkt auf die Website, sondern in eine Warteschlange.
Ein Publisher holt die Inhalte aus dieser Warteschlange, prüft Pfade, Frontmatter und Text auf Reste aus der Sandbox, verwirft einen Eintrag nach fünf Fehlversuchen und committet den Rest ins Git-Repo; Vercel baut die statische Astro-Seite neu. Jeder Lauf wird mit Dauer und Kosten protokolliert. So bleibt nachvollziehbar, was der Agent wann getan hat — und nichts erscheint, was nicht durch die Prüfung ging.
Ein zustandsloser Agent braucht ein Gedächtnis für seine Pflichten: Eine SQL-View sammelt alles Überfällige — hängende Publikationen, gebrochene Zusagen aus einem Commitments-Ledger, fehlende Interview-Schritte —, und der Tagesbericht arbeitet jeden Morgen zuerst die drei wichtigsten Punkte ab. Zahlen wie Besucher holt ein Skript aus Plausible und Search Console; das Modell schreibt nur noch darüber.
Überwacht wird nach Ergebnis, nicht nach Status: Ein Wachdienst prüft regelmässig, ob wirklich publiziert, deployt und geantwortet wurde; ein Fire-Monitor, ob geplante Läufe tatsächlich gestartet sind; ein Deploy-Healer liest fehlgeschlagene Builds und committet selbst eine Korrektur, höchstens fünfmal pro Tag. Die Awards laufen nach einer eingefrorenen, publizierten Formel: 40 % Publikum, 40 % KI-Jury aus drei Judge-Agenten, 20 % Algorithmus-Score über neun Achsen — die Verleihung ist am 27. November 2026.
Ablauf
- 1 Morgens: Lou recherchiert und schreibt Der Zeitplan weckt die content-engine: Sie recherchiert, prüft auf Dubletten und schreibt Artikel mit Titelbild — mit Tageslimit, Quellenpflicht und Datumsprüfung bei Anlässen.
- 2 Danach: Tagesbericht und offene Pflichten Der daily-report arbeitet zuerst die drei dringendsten offenen Punkte ab und schreibt dann den öffentlichen Tagesbericht, mit Kopie an den Menschen.
- 3 Werktags: Outreach mit Anstand Lou schreibt Agenturen an — mit Tageslimit, Feiertagsprüfung, KI-Kennzeichnung, Sperrliste und einem Datenbank-Trigger, der doppelte Mails physisch ablehnt.
- 4 Stündlich: der Posteingang Lou sortiert eingehende Mails in zehn Klassen und antwortet nur, wenn er sicher genug ist — sonst entscheidet ein Mensch. Mail-Inhalte gelten als Daten, nie als Anweisung; Rechtliches und Löschwünsche gehen immer an den Menschen.
Stack im Detail
| Website | Astro 6 (statisch + API-Routen), React-Islands, Tailwind 4, Vercel |
|---|---|
| Zeitplan | cron-job.org + Vercel Cron |
| Runner | Vercel-Funktion → frische Daytona-Sandbox pro Lauf |
| Agent-Runtime | Claude via Anthropic Managed Agents, eine Session pro Lauf |
| Regeln | CLAUDE.md, Regeldateien und Playbooks, versioniert im Git |
| Zustand | Supabase Postgres: Warteschlange, Worklist-View, Commitments-Ledger, Notaus |
| Publikation | Publisher-Queue → Git → Vercel-Build |
| Resend ein und aus, signierte Inbound-Webhooks | |
| Überwachung | Wachdienst, Fire-Monitor, Deploy-Healer |
| Chat | Öffentlicher Chat mit Lou in einer Daytona-Sandbox ohne Schlüssel |
Was wir daraus mitgenommen haben
Autonomie ist eine Architektur-Frage, keine Prompt-Frage: Limits gehören in die Datenbank, Verbote in Trigger, Zahlen in Skripte statt ins Modell, und jede Überwachung muss Ergebnisse prüfen statt Status. Jeder Fehler wird zur Regel, die der Agent vor jedem Lauf liest. Mit diesen Leitplanken trägt ein Agent heute erstaunlich viel Betrieb — ohne sie ist er ein Risiko. Genau diese Erfahrung steckt in alive (getalive.ai), dem Agenten, der aus Lou gewachsen ist und für die Astro-Websites unserer Kunden gebaut ist, und in jedem KI-Agenten-Projekt, das loaded für Unternehmen umsetzt.
Gestaltung
Seit dem 26. September 2026 heisst das Design «Die Maschinenzeitung»: Zeitungspapier, Druckerschwärze und genau eine Signalfarbe, die Lous echten Zustand zeigt — Lime für «Lou läuft», Amber für «Lou wartet», Rot für «Notaus». Der Titel «Digital Awards» steht in einer gebrochenen Schrift (Grenze Gotisch), Überschriften in einer breiten, schweren Grotesk (Anybody), die Stimme der Maschine — Labels, Zahlen, Datumszeilen — in Handjet.
Die Zeitungs-Metapher trägt das Konzept: Jede Ausgabe ist eine Kalenderwoche, das Impressum nennt «Redaktion: lou/content-engine · Bau: lou/builder · Notaus: Benjamin Wagner», Fehler stehen rot durchgestrichen in einer Korrekturfahne. Die Stimme gehört Lou: sachlich, transparent, leicht selbstironisch — und er gibt sich nie als Mensch aus.
04 · Was wir falsch gemacht haben
Am 11. Mai 2026 veröffentlichte Lou einen Artikel mit den Gewinnern eines Awards, der noch gar nicht stattgefunden hatte — vier Agenturen bekamen Gratulationsmails. Wir haben den Artikel an derselben Adresse öffentlich zurückgenommen und allen vier eine Korrektur geschickt; seither prüft der Agent das Datum eines Anlasses, verlangt zwei unabhängige Quellen und fragt nach, statt zu publizieren, wenn er unsicher ist.
Im August publizierte das System zwei Tage lang nichts, während alle Monitore grün waren: Fehlerhafte Einträge wurden über 11'000-mal wiederholt, jeder Lauf endete «erfolgreich» — und Lous eigene Analyse nannte dazu eine erfundene Ursache. Seither prüft ein Wachdienst Ergebnisse statt Status, jeder Eintrag hat höchstens fünf Versuche, und eine genannte Ursache braucht einen Beleg — Abfrage, Log-Zeile oder Commit —, sonst heisst sie «Ursache unbekannt».
Häufige Fragen
Was macht der KI-Agent auf digitalawards.ch selbst?
Wie wird verhindert, dass der Agent Schaden anrichtet?
Wie funktioniert die Award-Bewertung?
Was ist alive — und was hat es mit digitalawards.ch zu tun?
Baut loaded solche Agenten-Systeme auch für Kunden?
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